Zeugen
Wunder
Worte
Wege
Orte
Kongresse
Geschichte
Hilfen
Gebete
Links

www.loreto.de

Ezechiel

Ezechiel

Gott hat die Heilige Eucharistie auch durch den Propheten Ezechiel vorbezeichnet, als er ihm auftrug: “Er sagte zu mir: Menschensohn, iss, was du vor dir hast. Iss diese Rolle! Dann geh, und rede zum Haus Israel! Ich öffnete meinen Mund, und er ließ mich die Rolle essen. Er sagte zu mir: Menschensohn, gib deinem Bauch zu essen, fülle dein Inneres mit dieser Rolle, die ich dir gebe. Ich aß sie, und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig.“ (Ez 3,1-3) Die Eucharistie ist ja das fleischgewordene Wort, wenn wir die Kommunion empfangen essen wir wie Ezechiel das Wort Gottes. Auch verwendet Jesus oft den Titel ‚Menschensohn’ aus dem Buch Ezechiel (vgl. Mt 8,20; 12,32; 13,41; 16,27; 17,9)

In einer breiter ausmalenden Form bezeichnet die Vision Ezechiels die Assimilation des Gotteswortes durch den Propheten. Die Botschaft Gottes geht diesem in Fleisch und Blut über; sie wird Substanz von seiner Substanz. Gewiss ist auch der Geschmack der Rolle erwähnt: sie ist süss wie Honig, aber das Wichtigste bleibt die gehorsame Bereitschaft Ezechiels, das Büchlein aufzuessen und sich einzuverleiben. Es soll fortan zum Selbst des Propheten gehören, so dass dieser in seinen Worten in Wirklichkeit Gottes Worte spricht.

Es findet eine Identifikation statt zwischen der Botschaft, die auf der Rolle steht, und der Botschaft, die Ezechiel bringt. Durch die Verspeisung geht die Rolle in Ezechiel über.

Die Abendmahlsworte Jesu nehmen auf keine dieser drei prophetischen Stellen Bezug. Dennoch darf man vielleicht die Vermutung äussern, sie hätten im Denken Jesu eine Rolle gespielt. Das Auffallende ist ja, dass sich Jesus nicht mit einer Aussage aus nackten Worten begnügt hat. Er hat den Worten gewissermassen das Brot und den Wein unterlegt, die er den Jüngern beim Mahle zum Essen und zum Trinken reichte. Der Sinn dieser Handlungen des Essens und des Trinkens, in die die Abendmahlsworte Jesu eingebettet waren, musste doch der Hinweis sein , dass Jesu Worte nicht nur eine Botschaft für die Ohren und für den Verstand waren, sondern viel vitaler und elementarer eine reale Gabe für den ganzen Menschen. Denn Hunger und Durst sind Bedürfnisse des ganzen Menschen: Speise und Trank müssen sich in den Organismus des Menschen verwandeln, damit er leben kann. Diese drei prophetischen Aussagen lassen nun aber als Eigenschaft von Gottes Wort gerade diese nährende, am Leben erhaltende, assimilierbare Realität aufleuchten. Das Wort Gottes ist gleichsam ein Nährstoff. Fehlt er, verschmachtet der Mensch vor Hunger und Durst; steht er zu Gebote, wird er assimiliert und zu Leben umgewandelt. So unentbehrlich und vital wichtig ist das Wort Gottes.

Das Wort, das Jesus beim Abendmahl spricht, ist in dieser Hinsicht dem Worte Gottes gleich. Auch es ist eine Nahrung, ein Nährstoff. Das gab Jesus eben durch die Bindung seines Wortes an das Brot und an den Wein, die die Jünger essen und assimilieren mussten, klar zu verstehen.

So kann man die Abendmahlshandlung Jesu als eine anschauliche Fortführung der bildhaften und visionären Vorstellung Amos', Jeremias und Ezechiels auffassen, in der das Wort Gottes nicht allein Gehör und Geist des Menschen trifft, sondern eine reale Gabe an den ganzen Menschen ist, die er in sich aufnimmt und aus der heraus er leben kann. Nun ist der Inhalt der Abendmahlsworte, wie oben S. 10 angedeutet, der bevorstehende, gewaltsame und ungerechte Tod Jesu. Das ist die reale Gabe, die Nahrung, die die Jünger sich aneignen dürfen, damit sie nicht verhungern und verdursten, sondern leben. Wenn sie das Brot essen, über das Jesus beim Abendmahl seinen besonderen Segen gesprochen, und wenn sie vom Wein trinken, auf den er sein besonderes Segenswort gelegt hat, wissen sie, dass sie nicht bloss Worte vernehmen, aus denen ihnen Einsicht zufliesst, sondern dass sie darüber hinaus den Gehalt des Gesprochenen, den Tod Jesu, real in sich aufnehmen, aus dem ihnen das Leben zufliesst. Wie dieses Sterben Jesu eine reale Gabe und Lebensquelle sein kann, dem werden wir im nächsten Kapitel allerdings noch näher nachgehen müssen.

Schliesslich ist die Nahrung in Israels Weisheit Metapher für das, was die Menschen sind und tun.”

Aus: Schenker, Adrian, Das Abendmahl Jesu als Brennpunkt des Alten Testaments, Fribourg 1977, S. 32f