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Marguerite Parigot

Die ehrwürdige Margareta vom heiligsten Sakrament (Marguerite Parigot)

Diese gottgeliebte Jungfrau trägt mit Recht ihren Namen, Margareta, die „Perle“ des heiligsten Sakraments; denn rein wie eine Perle verfloss ihr Leben in der Strahlenglut des Sakramentes, von dem sie lebte, durch das sie die Hölle besiegte und nun unter der Zahl der Heiligen des Himmels wie eine Perle glänzt.

Sie wurde in Beaune, einer Stadt in Burgund, im Jahre 1619 geboren. Schon in ihrem fünften Jahr fand sie sich, wenn man sie in die Kirche brachte, mächtig zum heiligsten Altarsakrament hingezogen, und wurde zugleich durch eine besondere Gnade bewegt, sich ganz der allerseligsten Jungfrau wie ein Kind der Mutter zu weihen. In eben dem maß, als Kinder sich sonst der Fröhlichkeit hingeben und nach allem was ihnen unter die Augen kommt, verlangen, war sie in Gott versammelt und stets auf die Gegenwart Gottes aufmerksam.

Niemals ging sie vor einer Kirche vorüber, ohne einzutreten, um das allerheiligste Sakrament anzubeten, und wenn sie sich dann allein wusste, war es ihre Herzensfreude, besonders während der Advent- und Fastenzeit, solange als möglich dort zu verweilen. Wenn sie sich auch entfernen musste, blieb doch ihr Herz mit Jesus im Tabernakel verschlossen und ihre Gedanken verweilten bei der Betrachtung dieses erhabenen Geheimnisses. Einst am Fest des heiligen Stephanus blieb sie in der Kirche der Karmelitinnen, die diesem Heiligen geweiht ist, solange auf den Knien, dass sie vor Kälte beinahe in Ohnmacht gefallen wäre; jedoch ihre Ausdauer blieb nicht ohne Lohn, denn dieser heilige erschien ihr und erfüllte sie mit einer so brennenden Liebe Gottes, dass es ihr schien, ganz von derselben durchglüht zu sein.

Diese Liebe Gottes trieb sie auch an, die Gebote Gottes über alles zu achten und zu befolgen. Einen gewaltigen Eindruck machte auf ihr kindliches Herz das Gebot, welches die Lüge und das falsche Zeugnis verdammt. Sie fühlte, dass sie immer auf dem Weg der Wahrheit wandeln müsse. Nicht minder verehrungswürdig war ihr das Gebot, die Eltern zu ehren. Es war zu verwundern, wie liebenswert ihr der Gehorsam gegen die Eltern war. Man konnte in ihrer Gegenwart keinen Befehl aussprechen, den sie nicht in Eile zu vollführen trachtete.

Das der Geist Gottes sie schon als Kind regierte, musste man daraus erkennen, dass sie als Mädchen von sechs Jahren schon einen Teil der Nacht im Gebet zubrachte und das Gebet die Wonne ihres Herzens war. Vor dieser betenden, unschuldsvollen Seele hatten schon damals die bösen Geister Angst und furcht, denn sie fühlten im Voraus, wie viele Opfer der Sünde sie ihnen durch ihr Gebet entreißen würde. Daher suchten sie denn das betende Kind auf alle mögliche Weise zu belästigen, zu stören und zu quälen; allein Margareta hielt starkmütig aus im Vertrauen auf Gott, in ihren Nachtwachen und Gebeten.

Das arme Kind Jesus im Stall zu Betlehem betrachtend, liebte sie die Armut und die Armen schon in diesem Alter ungemein. Sie zog nur einfache Kleider an, sie ging am liebsten mit armen Kindern um und wenn sie ein bedürftiges Kind auf die Arme nahm, so glaubte sie das Jesuskind zu tragen. Sie sparte sich den letzten Bissen vom Mund für ihre Armen, sie sammelte Holz für sie, sie küsste ihre Geschwüre, säuberte und verband sie. Als die Mutter sie zur Schule schickte, konnte ihr die Lehrerin keine größere Freude machen, als wenn sie sich unter die armen Kinder setzen durfte. Die bösen Geister suchten ihr Ekel und Abscheu gegen die oft schmutzigen Armen und gegen die Kranken beizubringen; allein sie überwand aus Liebe zum armen Jesuskind heldenmütig diesen Ekel und demütigte sich vor den Armen nur noch mehr. ...

Mit elf Jahren verlor Margareta ihre Mutter. Sogleich am folgenden Tag begab sie sich in die Kirche vor einen der Lieben Frau geweihten Altar, warf sich vor ihrem Bild nieder und sprach ganz außer sich: „Heiligsten Jungrau! Erweise mir die Barmherzigkeit, von nun an meine Mutter zu sein und verschaffe mir den Eintritt in das heilige Haus deines Sohnes.“ Sogleich fand sie sich ganz in Gott versenkt und die heilige Jungfrau versprach, an ihr Mutterstelle zu vertreten.

Der Onkel Margaretas war Prior von St. Stephan in Beaune und Gründer des Klosters der Karmelitinnen. Nach dem Tod der Mutter führte er seine kleine Nichte sogleich zu den Nonnen, damit sie von ihnen erzogen werde.

Margareta, obgleich erst zehneinhalb Jahre alt, fand Aufnahme. Nach einigen Tagen schon prüfte die Priorin die Kleine, ob sie vorbereitet wäre, die heilige Kommunion zu empfangen. Mehrere Fragen, die man an sie über dieses heiligste Sakrament stellte, beantwortete sie mit einer so erhabenen Klarheit, dass jedermann über ihre Antworten staunte.

Ihre so hohen Kenntnisse hatte sie aus jenem Strahlenlicht gezogen, das aus dem Tabernakel sich über sie ergoss.

Kaum hatte Margareta gehört, dass sie zum ersten Mal dem Tisch des Herrn sich nahen dürfe, als die in ihrem Innern glühende Liebe zu Jesus flammend hervorbrach und unbeschreibliches Verlangen ihre Seele ergriff. ...

Sie kommunizierte dann am folgenden Tag bei der Messe ihres Onkels, der sie ins Kloster gebracht hatte. Nachdem sie das hochheilige Sakrament empfangen hatte, wurde ihr Geist von himmlischem Licht erfüllt und Jesus Christus sprach im innersten Grund ihres Herzens mit der Zärtlichkeit eines Vaters und mit der Liebe eines Bräutigams: „Meine Braut, ich nehme dich als meine Tochter an.“ ...

Einige Zeit nach ihrer ersten heiligen Kommunion trat sie, obgleich noch so jung an Jahren, aber gereift an Verstand und bereichert von Gnaden und himmlischen Kenntnissen, in den Orden der Lieben Frau vom Berg Karmel ein.

Sie verlangte keineswegs nach außerordentlichen Gunstbezeigungen Gottes, sondern ihr einziges Glück bestand darin, ihm in aller Demut zu dienen. Daher beobachtete sie die heilige Regel mit brennendem Eifer, begegnete den Schwestern des Klosters mit größter Ehrfurcht und Unterwürfigkeit und suchte ihnen jeglichen Dienst zu leisten. Alles, was ihr aufgetragen wurde, tat sie willig und zeigte dabei ein besonderes Geschick und ausgezeichnete Klugheit. Der Geist des Gebetes, der sie von zarter Kindheit an beseelte, machte , das sie die Einsamkeit im höchsten Grad liebte; sie verweilte daher so viel wie möglich in ihrer Zelle, obgleich da die bösen Geister die heftigsten Anfälle gegen sie machten, um sie aus der einsamen Zelle zu vertreiben.

Die Waffe dieser jungen Kämpfenden war dann das Gebet, sie warf sich zur Erde, rief zu Jesus und Maria und siehe, Jesus sandte ihr seine Strahlen vom heiligsten Sakrament und goss über sie einen himmlischen Glanz aus, vor dem die Feinde flohen.

...

Nachdem man im Kloster in Erfahrung gebracht hatte, dass die kleine Margareta Linderung und Hilfe in ihren Leiden immer vom heiligsten Sakrament empfing, brachte man sie von Zeit zu Zeit in den Chor. Gewöhnlich verweilte sie daselbst drei bis vier Stunden nacheinander, ohne den Altar oder den Schmuck desselben oder irgend etwas Anderes zu sehen als allein das allerheiligste Sakrament und in ihm die Heiligen und die heiligen Engel. Nach diesem langen Gebet, das ihr aber nur einen Augenblick zu dauern schien, begab sie sich jedes Mal genau um die Stunde, welche ihr bezeichnet worden war, zurück und obgleich sie wohl wusste, dass sie außer diesem Aufenthaltsort vor dem heiligsten Sakrament zu neuen Martern zurückkehrte, so bat sie dessen ungeachtet niemals um Erlaubnis, länger dort verweilen zu dürfen, als ihr vorgeschrieben wurde. Wenn man ihr das Zeichen zur Rückkehr gab, erhob sie sich vom Gebet und entfernte sich im selben Augenblick. Ihr Gehorsam war Gott auch so wohlgefällig, dass, wenn sie allein nicht zurückzukehren vermochte, ihr die Engel halfen, dem Gehorsam nachzukommen.

...

Der Herr machte sie nun zur Braut seiner Kindheit; sie wurde mit Jesus, dem Sohn Gottes, als Kind so vereinigt, dass sie nichts mehr als das Ihrige, sondern alles als das Eigentum ihres Bräutigams, des Kindes Jesus, betrachtete.

Wenn sie von ihren Händen oder Füßen reden musste, so konnte sie jetzt nicht mehr sagen: „Meine Hände, meine Füße,“ sondern: „die Füße und Hände, welche dem Kind Jesus gehören.“ Sie konnte auch trotz aller Anstrengungen nicht mehr „Schwester Margareta“ sagen, sondern man hörte in ihrer Kehle nur mehr den Namen „Jesus“. So wurde sie ganz das Eigentum des Kindes Jesus und ganz in dasselbe umgebildet; das Stillschweigen, die Demut, der Gehorsam, die Einfalt, die Liebe des Kindes Jesus wurden an ihr sichtbar; sie lebte ganz das Leben dieses göttlichen Kindes.

Da aber Jesus schon als kleines Kind das Kreuz umfasste und zu leiden begann, um die Welt durch sich mit seinem himmlischen Vater zu versöhnen und für die Sünden der Menschheit zu sühnen, erweckte er in seiner Dienerin, indem er ihr sein Kreuz, von der Erde zum Himmel reichend, zeigte, ein unbeschreibliches Verlangen nach Leiden für die Sünder, um ihnen die gnade der Bekehrung zu erringen. Er zeigte ihr die Abscheulichkeit der Sünde des Stolzes, der Eitelkeit, der Völlerei, der Gotteslästerung, der Faulheit, des Neides, der Hartherzigkeit gegen die Armen und besonders der Verunehrung, der Verachtung und Herabwürdigung des Sakramentes seiner Liebe, auf dass sie für dieselben büße.

Eines Tages zeigte er ihr die unaussprechliche Würde des allerheiligsten Altarsakramentes und wie sehr dieses Geheimnis mit dem seines Leidens in Verbindung stehe. In einem erhabenen Licht wurde ihr begreiflich, dass der Baum des Kreuzes die hochheilige Eucharistie als Frucht des Lebens getragen habe, dass dieser heilsame Baum in der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes des Vaters seine Wurzeln getrieben habe, dass seine Äste sich daraus ins Unendliche ausbreiten und seine wahre Frucht das heiligste Sakrament des Altares sei.

Diese Furcht konnte aber nicht anders zur Reife gebracht werden als durch das Leiden, dessen Mitteilung und Bild es zugleich ist; der Saft dieser Frucht ist das vergossenen Blut am Kreuz, ihr Wesen ist der an das Kreuz angeheftete Leib; die Schönheit, der Geruch und die Unverweslichkeit dieser Frucht kommen vom Geheimnis der Auferstehung. Gleichwie der Sohn Gottes im irdischen Paradies, welches die katholische Kirche ist, durch das Kreuz diese wahrhafte Frucht des Lebens entstehen ließ, ebenso wurde durch sein Kreuz das Leben, welches dieses anbetungswürdige Sakrament hervorbringt, in ihr erhalten. ....

Jesus drückte nun ihrer Seele einen sehr lebhaften Schmerz ein über alle Unbilden, die ihm in diesem erhabenen Sakrament zugefügt worden sind, und indem er sie in einen Geist großer Abgeschiedenheit versetzte, worin sie drei Monate verharrte, ließ er sie für die Sakrilegien, welche beim Empfang des heiligsten Altarsakramentes begangen werden, die äußersten Qualen erdulden.

Wenn ihr aber schon die Sünden der Gläubigen aus dem Volk so große Peinen verursachten, so waren die wegen der schlechten Priester ohne Vergleich empfindlicher. Es würde zu lange dauern, alles, was sich in dieser Hinsicht ereignete, zu erzählen; wir wollen allein von dem Erwähnung machen, was sich eines Tages bei Gelegenheit ereignete, als ein Priester von schlechtem Wandel und der als solcher bekannt war ins Kloster kam, wo Margareta sich befand, um dort die Messe zu lesen.

Es war unmöglich, sie in den Chor zu tragen, damit sie dort der heiligen Messe beiwohne; sechs der stärksten Schwestern wendeten alle ihre Kräfte an, um ihr diesen Dienst zu erweisen, aber es war ihnen unmöglich, sie auch nur ein wenig vom Platze zu bewegen. Indes litt sie die heftigsten Schmerzen in ihrer Seele, wovon sie sich aber nichts merken ließ, indem sie sich ganz dem Willen der Schwestern überließ. Endlich befahl die Novizenmeisterin, Schwester Maria von der Dreifaltigkeit, eine Frau von hoher Tugend, von ihr abzulassen, weil sie an diesem Ereignis den Finger Gottes erkannte; dann fragte sie die Kleine, was denn in ihr vorgehe? „Die Macht Gottes ist es,“ sagte sie, „die mich zurückhält; alle menschlichen Kräfte würden nicht ausreichen, mich zum Weichen zu bringen; Gott will nicht, dass ich mich jetzt dem Chor nähere, die heilige Jungfrau gestattet es nicht.“ Hierauf fügte sie bei: „Diese Seele sollte ein reines und englisches Leben führen; er (der Priester) war berufen, der heiligsten Jungfrau zu dienen und sie hat ihn unter ihren Schutz genommen; aber er hat sich davon auf elende Weise getrennt, um der Sünde nachzulaufen, was ihn so erschrecklich macht, dass, wenn mich die Macht meines Gottes nicht hielte, ich bei seinem Anblick sterben würde.“

Als sie diese Worte sagte, fiel sie zur Erde und alles, was ihr die Umstehenden tun konnten, war, dass sie ihr den Kopf ein wenig stützten. Durch eine göttliche Einwirkung erlitt sie sodann die grausamsten Qualen. In einem Augenblick sah man sie ganz in Schweiß gebadet, völlig zermalmt und sterbend, so dass die Schwester, welche sie hielt, glaubte, sie hauche den Geist aus. Im Augenblick der Wandlung hörte sie, wie alle ihre Gebeine verrenkt wurden und ihre Haare sich sträubten gleichspitzigen Dornen. Nach der Wandlung sagte sie zur Novizenmeisterin: „Ach, meine Mutter! Wie sehr sind wir verpflichtet, für die Priester zu beten! Ach, was ist das für eine schreckliche Sache, dass es in der heiligen Kirche solche Opferpriester gibt!“ Und nachdem sie von der Heiligkeit ihres Dienstes geredet hatte, sprach sie: „Die heiligste Jungfrau wird mit ihm Mitleid haben, sie wird ihm die Sünde besiegen helfen, der Sohn Gottes hat mir versprochen, er wolle mit ihm Barmherzigkeit haben.“ Nach der Messe wurde sie wieder in ihren vorigen Zustand versetzt. Der Herr kräftigte sie an Leib und Seele und machte sie tüchtig zu anderen ähnlichen Bußwerken. Täglich wurde sie nach der heiligen Kommunion entzückt und manchmal sprach sie so erhaben von der Reinheit, welche die Seele zum Empfang dieses göttlichen Sakramentes mitbringen müsse, dass die Novizenmeisterin, so tugendhaft sie auch war, darüber vor Furcht erzitterte.

Sie hörte nicht auf, dem Sohn Gottes ihren Schmerz zu bezeigen über die geringe Vorbereitung, welche die Christen zum Empfang dieses heiligen Sakraments mitbringen. Sie selbst hatte eine so große Ehrfurcht und erniedrigte sich so sehr vor ihrem im heiligsten Sakrament gegenwärtigen Heiland, dass sie ihre Augen nicht einmal zum Altar hin zu richten wagte, ebenso wie die Seraphim vor dem Thron Gottes mit ihren Flügeln die Augen sich bedecken. Und weil sich Margareta dergestalt an die Stelle der Sünder versetzt fand, für welche sie Buße tun sollte, so erachtete sie sich, ungeachtet all ihrer Unschuld und Reinheit, unendlich unwürdig, zu kommunizieren.

Eines Tages fand sie sich so sehr von Schmerz niedergedrückt und so sehr in ihre Unwürdigkeit versenkt, dass ihr die Novizenmeisterin erlaubte, sich der heiligen Kommunion zu enthalten. Sie gestattete ihr dann, die Frühmesse zu hören und führte sie während der Konventmesse in den Garten, um ihr dort frische Luft schöpfen zu lassen und ihrem Geist einige Ruhe zu gewähren. Beide betraten eine Einsiedelei, die nach Ordensgebrauch im Klostergarten sich befand und der Geburt des Sohnes Gottes geweiht war. Als sie nun im Gebet sich befanden, gerade zur Stunde, wo die Schwestern während der Konventmesse die heilige Kommunion empfingen, wurde Margareta plötzlich entzückt und Jesus, als Priester gekleidet und von einer Mange Engel umgeben, reichte ihr die heilige Kommunion mit den Worten: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ (Joh 6) Die Novizenmeisterin, die bei ihr war, sah und hörte alle diese Dinge; sie erkannte, dass je unwürdiger sich Margareta achtete, dem heiligsten Sakrament zu nahen, sie desto würdiger zum Empfang desselben wurde, eben weil sie sich in diesem Stand der Erniedrigung nur durch eine wunderbare Fülle von Gnaden befand.

...

Oftmals gab ihr Jesus seine Empfindungen über die Unbill zu erkennen, die er in der Person der Armen erlitt. eines Tages erschien er ihr im Tabernakel gekreuzigt, erniedrigt, verwundet am ganzen Leib, sterbend vor Schmerz, wegen der Härte der Reichen gegen seine Armen und er trug ihr auf, seine Peinen für diese, gegen das Elend der Armen unempfindlichen Seelen zu tragen. „Die meisten Menschen,“ sagte er, „sind so grausam gegen mich, dass sie in der Person der Armen mit mir ihr Gespött treiben, sie würdigen sich nicht allein nicht, mit ihnen zu sprechen, sondern sie vermeiden es auch, auf sie ihre Blicke zu werden. Auf meine Person aber sind diese Verachtungen und Undankbarkeiten gerichtet.“

Von diesem Augenblick an musste Margareta außerordentliche Peinen für die Kälte und Abneigungen der Reichen gegen die Armen ertragen. Neben diesen Peinen ließ ihr der Heiland auch den Stand seiner Armut fühlen. Nun erschien ihr Antlitz so demütig, so sanft, so niedergedrückt, dass es wunderbar anzusehen war. Man hörte oftmals die Worte aus ihrem Mund: „O mein Heiland! Gib den Sündern Gnade, die Armen zu lieben, gib ihnen zu erkennen, dass sie wahrhaft deine Glieder sind. Lass es sie einsehen, dass man sie wahrhaft lieben und ehrerbietig behandeln müsse, erweiche die verhärteten Herzen derjenigen, welche deine Güter besitzen, damit sie die Armen, meine Brüder, lieben. Diejenigen, welche ihren Lebensunterhalt erbetteln, sind die Augäpfel Christi.“

Eines Tages hörte man sie sagen: „Meine Brüder, die Armen, leiden und sterben vor Elend, meine kleinen Brüder schmachten dahin und sterben vor Not und diese Unglücklichen (sie meinte jene, welche sich der Völlerei ergeben wie der reiche Prasser) stellen sich, als sähen und hörten sie dieselben nicht.“ Hierauf sagte sie unter vielen Tränen: „Eben jetzt befinden sich zwei arme Kinder unter unserer Kirchentüre, die ganz von Kälte erstarrt sind, die keine Bedeckung  und Nahrung haben.“ Dann wandte sie sich nach der Seite hin, wo sich dieselben befinden sollten und betrachtete sie mit mitleidsvollen Blicken. „Es ist meine Schwester Jacqueline und meine Schwester Antoinette, sie sind zwei Arme Jesu Christi.“ Die gute Meisterin wusste wohl, dass die Kirche verschlossen sei und es war auch gar nicht wahrscheinlich, dass zu einer so kalten Zeit sich jemand darinnen finden werde, denn es war im Monat Februar und zur Nachtzeit; sie war deshalb darüber sehr erstaunt. Dessen ungeachtet bat sie die Oberin, in der Kirche nachschauen zu lassen und man fand unter dem Tor der Kirche in einem Winkel zwei Mädchen, das eine von drei, das andere von fünf Jahren, welche weinten und zu ihrer Kleidung nichts anderes hatten als einen Fetzen von einer Decke, die über ihre Schultern hing.

Man meldete es unverzüglich der Schwester Margareta, welche es gar nicht wunder nahm, dass man die Kleinen gefunden habe, die nun mit Kleidern versehen und zu einer warmen Suppe geführt wurden. Die Mutter Oberin erlaubte der Schwester, dass sie für dieselben im Speisesaal um Almosen bitte und versprach ihr, den Kleines alles, was sie von den Schwestern erhalte, zuzusenden. Am anderen Tag, um ihr noch mehr Freude zu machen, führte man sie an das Chorgitter  und ließ die beiden Mädchen vor sie kommen. Sobald sie dieselben erblickte, warf sie sich sogleich auf die Knie, um dadurch ihre Ehrfurcht zu bezeigen, welche sie gegen die Glieder Christi hegte. Dessen ungeachtet sah sie nicht auf die Kinder, sondern hielt beständig ihre Augen gegen den Tabernakel hingewendet und gleichsam wie an das heiligste Sakrament geheftet. Sie sprach nicht mehr mit ihnen, sondern war fortwährend in Entzückung, während das Angesicht wie die Sonne glänzte. Die Novizenmeisterin erkundigte sich bei den Kindern, woher sie kämen und wo sie Vater und Mutter gelassen hätten. Die armen Kinder wussten aber nichts zu sagen. Alles, was sie darüber erfahren konnte , war, dass das größere sagte, sie heiße Jacqueline und ihre Schwester Antoinette.

Das Kloster nahm sich nun ihrer an und bekleidete sie; Schwester Margareta arbeitete selbst mit unaussprechlicher Liebe an ihren Kleidern. Sie empfand eine so große Zuneigung zu den Kindern, dass man ihr ein besondere Freude machte, wenn man ihr etwas von ihnen erzählte. ...

Aus dem bisher Gesagten erhellt, dass die kleine Margareta eine ganz besondere Andacht zur hochheiligen Eucharistie hatte, da ihr die göttliche Vorsehung hauptsächlich dieses Geheimnis zu ihrem Schutze und ihrer Zuflucht bestimmt hatte. Der Beistand, den sie tausendmal in ihrem Leben von daher erlangte, die Befreiung von den bösen Geistern, die Gesundheit ihres Leibes, wenn sie durch Peinen wie vernichtet war, sind mächtige Zeugnisse, entweder dass Gott ihr von Kindheit an eine besondere Verehrung dafür eingeflößt habe oder dass er sie durch mächtige Beweggründe anzog, sich demselben zu weihen. Beides war bei Margareta der Fall.

Diese unschuldige Seele hatte ihr ganzes Leben hindurch eine solche Liebe zur hochheiligen Eucharistie, dass sie in den Jahren, wo sie dieselbe noch nicht empfangen durfte, sich denjenigen nahte, welche gerade vom heiligen Tisch weggingen, und sich an sie anschmiegte. Von den ersten Tagen ihrer Kindheit an gab ihr Gott den heiligen Evangelisten Johannes, sie zur heiligen Kommunion vorzubereiten. Den größten Teil der Nacht verwendete sie zur Vorbereitung auf den Empfang dieses göttlichen Sakramentes, sie mochte es nun wirklich oder bloß geistlicher Weise empfangen; niemals ermangelte sie, mit unaussprechlichem Feuereifer allen Fleiß darauf zu verwenden. Wenn sie in den Chor trat, fühlte ihr Geist den in diesem Sakrament wahrhaft gegenwärtigen Sohn Gottes und entbrannte in feuriger Liebe gegen seine göttliche Majestät. So oft sie beim Chor vorüberging, küsste sie mit Ehrfurcht gegen dieses erhabene Sakrament den Boden.

Für die Verziehrungen der Kirche, besonders für die Korporale, hatte sie eine große Verehrung. Als sie einmal in einer sehr schmerzlichen Krankheit von den Ärzten trepaniert1 wurde, glaubte man, nichts sei geeigneter, um ihr in ihren Schmerzen Linderung und Trost zu verschaffen, als ein in der Bursa2 eingehülltes Korporale auf sie zu legen; und in der Tat, das Korporale in ihrem Geist für die Windeln des Jesuskindes haltend, war sie mit diesem Geheimnis so beschäftigt, dass sie kaum an die Schmerzen ihrer Wunden dachte.

Als sie aus Zulassung Gottes durch die bösen Geister einige Zeit das Augenlicht verlor, sah sie doch das allerheiligste Sakrament, wenn es ausgesetzt war oder im Tabernakel sich befand. Sie fühlte sogar eine wunderbare Freude darüber, nichts mehr auf Erden zu sehen als dieses Opfer der Erlösung, und darüber ganz entzückt, sprach sie dann so liebreizende Worte, dass sie alle Herzen entflammte. Durch dieses Schauen des glorwürdigesten Sakramentes empfing sie jedes Mal in ihren Leiden Trost und Erleichterung.

Die Nonnen wollten sich hierüber Gewissheit verschaffen und trugen sie daher zu verschiedenen Malen an Orte, wo das heiligste Sakrament sich nicht befand, und indem sie ihr eine Stellung gaben, als wenn sie sich vor dem Chorgitter befände, knieten sie sich neben ihr nieder und ermunterten sie, zum Herrn ihre Zuflucht zu nehmen. Aber alsogleich sagte sie mit liebreicher Klage: „Ich finde hier nicht meinen Heiland;“ und sich an ihn endend, fuhr sie fort: „Mein Herr! Ich finde hier nicht deine göttliche Wahrheit.“ Danach bat sie die Schwestern inständig, sie vor das heiligste Sakrament zu tragen.

Nachdem Margareta das Augenlicht in Folge ihres außerordentlichen Gehorsams gegen ihre Oberin, die ihr zu sehen befahl, wieder erhalten hatte, wollten sich die Schwestern vergewissern, ob die Kleine die hochheilige konsekrierte Hostie von einer unkonsekrierten unterscheiden könne. Sie stellten also eine Probe an, die freilich nicht gebilligt werden kann, die aber wegen ihrer Einfalt und Unwissenheit und des Endzweckes halber entschuldigt werden mag. Sie ließen nämlich bei geschlossenen Kirchentüren im Oratorium des heiligsten Sakramentes eine unkonsekrierte Hostie aussetzen, zündeten Wachskerzen an und warfen sich auf die Knie nieder, indem sie die Meinung machten, Jesus im Himmel anzubeten und nicht in der Hostie. Währenddessen ließen sie die Kleine herbeirufen, die damals 12 oder 13 Jahre alt war. Allein siehe da, Margareta ging vor der Hostie vorüber, ohne wie sonst die Erde zu küssen, ohne eine Kniebeuge zu machen, ohne sich nur ein wenig aufzuhalten und sagte zu den Schwestern, welche sie einluden, hier zu beten, und sich bemühten, sie zurückzuhalten: „Mein lieber Jesus ist nicht hier.“ Hierauf eilte sie in den Chor, um den Sohn Gottes, der da wahrhaft im Tabernakel ist, anzubeten.

Im Augenblick der Kommunion wurde Margareta gewöhnlich schön wie ein Engel und meistens auch von einem Lichtglanz umflossen. Ihre heilige Meisterin schrieb einmal an eine Priorin hierüber: „Meine Schwester Margareta war heute bei der Kommunion in Verzückung, aus ihrem Mund ging ein weißer schein hervor als eine Wirkung der Reinheit des göttlichen Kindes Jesus, was lieblich zu sehen und zu fühlen war. Mehrere Personen erlangten große Gnaden nur allein dadurch, dass sie Margareta kommunizieren sahen. Eine Dame von Stand befand sich gerade in der Kirche, als die Dienerin Gottes den Leib des Herrn empfing und wurde mächtig von Gott angerührt. Es schien ihr, als sei ihr Herz offen, alle Sünden und Mängel ihres Lebens wurden ihr klar vorgestellt, und was noch ihr höchstes Glück ausmachte, sie wurde zu einer lebhaften Reue bewegt und von einer feurigen Sehnsucht gedrängt, von ganzem Herzen Gott zu dienen.

Zwei Ordensmänner von großer Tugend bezeugten, sie hätten Margareta während der heiligen Kommunion gleich einem Seraph entflammt gesehen; zugleich wurde sie einmal bei der heiligen Kommunion von einer armen, fremden Frau bemerkt, welche durch den Krieg aus ihrem Vaterland vertrieben, beinahe in Verzweiflung gestürzt war. Diese trostlose Frau erlangte nun dadurch einen solchen Trost, dass sie von nun an all ihren Verlust vergaß und Gott für ihre Verbannung und Armut lobte.

Ein ganz ähnlicher Fall ereignete sich mit einem im Kloster bekannten, rechtschaffenen Kaufmann, der all sein Vermögen verloren hatte, weil er für einen anderen Bürgschaft geleistet hatte. Ganz außer sich, trug er seinen Schmerz hierüber überall mit sich herum. In heftiger Versuchung zur Verzweiflung kam er eines Tages in die Kirche der Karmelitinnen, um die heilige Messe zu hören. Als man nun das Allerheiligste zu der Stelle trug, wo die Klosterfrauen kommunizierten, bemerkte er auf einige Augenblicke das lichtglänzende und englische Antlitz der Schwester Margareta, als sie eben kommunizierte, und plötzlich, als wenn er von der Erde zum Himmel und von der Finsternis in ein Lichtreich versetzt wäre, wurde sein Geist von allen seinen Leiden befreit. Einige Tage darauf kam er mit freudigem Antlitz zum Konvent und bezeugte, er bekümmere sich nicht mehr um alle Güter der Welt, nachdem er an der Schwester Margareta das Bild des himmlischen Schatzes gesehen habe. Dieser Mann blieb dann so zufrieden und so voll Eifer, dass er nie von dem Segen schweigen konnte, den er mittels dieser Dienerin Gottes erlangt hatte.

„Wie wird,“ setzt hier der Lebensbeschreiber der gottseligen Margareta hinzu, „wie wird erst dies sein, wenn wir die Seligen in ihrer Glorie schauen und über denselben den König der Glorie, Jesus Christus, und in Jesus Christus die göttliche Wesenheit, die unerschöpfliche Quelle aller Güter und der alles in allem sein wird? O göttliche Schönheit, wir werden gesättigt sein, wenn du uns deine Glorie zeigen wirst!!!“

Nachdem Margareta die feierlichen Ordensgelübde abgelegt hatte, stiftete sie nach dem Willen des Jesuskindes, dem sie sich ganz zur Leibeigenen hingegeben hatte, die Genossenschaft der Diener der heiligen Familie zur Verehrung der Kindheit Jesu und baute mit Hilfe von wohltätigen Seelen dem Kind Jesus eine Kapelle, in welcher sie, nachdem sie das Werk, zu welchem Gott sie auserkoren hatte, vollbracht hatte, auch ihr Grab fand.

Vor ihrem Tod hatte sie noch unaussprechliche Leiden zu erdulden, wobei sie aber nicht aufhörte, sich zu demütigen, gehorsam zu sein und sich als Opfer darzubringen, bis sie endlich sanft wie ein Kind, mit dem Frieden einer unschuldigen, engelreinen Seele, mit der Liebe einer in ihrer Treue wunderbaren Braut ihren Geist in die Hände ihres göttlichen Bräutigams übergab am 26. Mai 1648.

(sprachlich leicht verändert und gekürzt übernommen aus: Ott, Georg, Eucharisticum, Regensburg 1869, S. 471-480)

1Es wurde ihr mittels eines Instruments die Hirnschale zerspalten.

2Das Futteral, in welchem das Korporale steckt.